Die größte Fitnesslüge

Der Mythos naturaler Definition


Die größte Fitnesslüge

Spätestens seit Peter Andre in seinem Musikvideo vor einigen Jahren die Bauchmuskeln spielen ließ, gilt ein Sixpack und eine messerscharfe Definition als erstrebenswert sowie schick. Mittlerweile ist dieser Trend soweit fortgeschritten, daß ein Körperfettanteil um die 5%, als das Maß der Dinge in Punkto Fitness gilt. Das Bild der Bevölkerung ist total von den Medien geprägt. Während die brutale Muskelmasse im professionellen Bodybuilding sofort mit der Einnahme von Anabolika und anderen chemischen Helferlein assoziiert wird, gilt die größte Fitnesslüge einer extremen Definition allgemein als natural erreichbar. Das Bild, der in Training sowie Ernährung größtenteils total unerfahrenen Bevölkerung, ist geprägt von männlichen Fitnessmodellen in den Medien und zunehmend auch von Leuten, die ihre eigene Körperentwicklung, beispielsweise bei Youtube, vermarkten. Diese weisen in der Regel einen extrem niedrigen Körperfettanteil bei einer Muskelentwicklung auf, die noch etwas vom naturalen genetischen Limit entfernt ist. Die ahnungslose Bevölkerung und der unerfahrene Trainingseinsteiger nimmt sie somit noch als natürlich wahr. Da es ihnen an den Muskelbergen mangelt, die allgemein mit der Verwendung chemischer Substanzen in Verbindung gebracht werden, gilt die größte Fitnesslüge der extremen Definition als natural erreichbar.

Der Bevölkerung ist jedoch weitgehend unbekannt, daß der gezeigte Körperfettanteil in Relation zur vorhandenen Muskelmasse, in aller Regel mit Hilfe von chemischer sowie medikamentöser Unterstützung erreicht wurde. Eine derartige Muskelmasse, bei einem extrem niedrigen Anteil an Körperfett, kann nur auf diesem Weg überhaupt realisiert werden. Ein intensiv trainierender naturaler Sportler kann zwar mehr Muskelmasse aufbauen. Er erreicht diese, bei richtiger Ernährung sowie zielorientiertem Training, auch schon nach relativ kurzer Trainingsdauer. Er wird dabei jedoch niemals diese Definition und Muskelhärte erzielen. Versucht unser Sportler nun ohne chemische Unterstützung über die Ernährung und das Training, die größte Fitnesslüge der messerscharfen Definition zu erreichen, so wird er feststellen, daß dieses Vorhaben natural nicht machbar ist.



Sollte er tatsächlich jemals natural diesen niedrigen Körperfettanteil erreichen, so hat er im Laufe der Diät soviel Muskulatur verloren, daß seine Muskelmasse weit unter der Muskelmasse seiner Vorbilder liegt. Der Grund liegt in natürlichen körperlichen Schutzmechanismen und hormonellen Regulierungen. Diese setzen ab einem genetisch fixierten Körperfettanteil zunehmend ein und führen dazu, daß bei weiterer kalorienreduzierter Ernährung immer mehr Muskulatur zur Energiegewinnung des Körpers abgebaut wird.

Ein Körperfettanteil von etwa 2-5% gilt bei Männern als lebensnotwendig. Der lebensnotwendige Körperfettanteil für Frauen liegt hingegen bei etwa 10-12%. Der menschliche Körper reagiert mit immer stärkeren Schutzmechanismen, um einen weiteren Fettabbau zu verhindern, je näher der Körperfettanteil diesen Werten kommt. Der Körper greift also vermehrt auf die Muskulatur zur Energiegewinnung zurück und läßt das als Notreserve angelagerte restliche Depotfett weitgehend unberührt. Dies führt zu einem massiven Muskelverlust.

Allgemein ist zu beobachten, daß immer mehr Leute auf die größte Fitnesslüge und den fahrenden Definitionszug aufspringen. Mit allen Mitteln wird von Trainern, Youtube Usern sowie bei Facebook versucht, sich die allgemeine Unwissenheit in Punkto naturale Relation von Körperfett und Muskulatur, finanziell zu Nutze zu machen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und nur weil natural draufsteht, muß nicht natural drin sein!

Eigenes Basiswissen schützt vor teuren Fehlinvestitionen in Trainingspläne sowie Supplemente, welche unter falschen Vorzeichen vermarktet werden und hilft Enttäuschungen beim eigenen Training zu vermeiden. Es macht keinen Sinn Zeit, Energie und Geld in die größte Fitnesslüge zu investieren, welche aus rein kommerziellen Interessen vermarktet wird.

http://www.dr-moosburger.at/pub/pub139.pdf