Hungerstoffwechsel

Hungerstoffwechsel – menschliche Biochemie mit vielen Auswirkungen

HungerstoffwechselDer Hungerstoffwechsel ist ein Schutzmechanismus des menschlichen Körpers, der das Überleben bei akutem Nahrungsmangel, bereits seit Urzeiten, gewährleistet. Der Körper fährt die Stoffwechselfunktionen herunter und bezieht die notwendige Energie, zum Erhalt der Körperfunktionen, aus den körpereigenen Energiespeichern. Während der Fasten- bzw. Hungerzeit kommt es zu der sogenannten Hungeradaption an den Nährstoffmangel. Abhängig von Dauer und Höhe des Energiedefizits wird der Stoffwechselumsatz (Kalorienbedarf) um bis zu 50% gesenkt. Der Körper schüttet Streßhormone (Adrenalin) aus und der Glukoseverbrauch des Gehirns, die Körpertemperatur, die Herzfrequenz sowie der Blutdruck sinken. Der Körper fährt seinen Energiebedarf für die lebenswichtigen Körperfunktionen zurück und deckt seine Energie aus dem Abbau von Muskeln, Kohlenhydraten und Speicherfett. Insbesondere der Abbau von Muskeln ist in der ersten Zeit des Hungerstoffwechsels enorm und reduziert den Kalorienverbrauch des Körpers noch lange Zeit nach dieser Hungerphase. Die Muskulatur verbrennt die meisten Kalorien. Ein Muskelverlust ist immer gleichbedeutend mit einem geringeren Kalorienbedarf.

Die entstehenden Mangelerscheinungen ziehen eine Reihe von gesundheitlichen Problemen nach sich, die abhängig von der Dauer und der Intensität des Hungerstoffwechsels sind. Hier wären unter anderem Schwäche, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gicht, Osteoporose, Haarausfall und Vitaminmangelfolgen zu nennen. Insbesondere trendige unfundierte Modediäten und das Heilfasten lösen Problematiken durch diesen körperlichen Schutzmechanismus aus. Ein wiederholtes Umsetzen dieser Verfahren kann zu einer durchgreifenden sowie längeren Stoffwechselreduzierung führen. Um den Hungerstoffwechsel und seine Rolle in Diät sowie Körperfettreduktion ranken sich viele Halbwahrheiten. Langfristige Probleme beim Abnehmen und der Jojo Effekt können in der Tat in Relation zum Hungerstoffwechsel stehen. Diese Zusammenhänge sind aber nicht zwangsläufig gegeben.

Fakten zum Hungerstoffwechsel

Der Hungerstoffwechsel setzt nicht bei allen Menschen zum gleichen Zeitpunkt ein. Aussagen vieler sogenannter Diätgurus, daß bei einer negativen Kalorienbilanz von über 500 Kalorien automatisch sofort ein Hungerstoffwechsel induziert wird und ein Abnehmen nur langsam mit niedrigen Kaloriendefiziten erfolgen sollte, sind Unsinn. Der Hungerstoffwechsel setzt erst ein, wenn der persönliche Grundumsatz, das heißt die Energie, die für lebenswichtige Funktionen benötigt wird, über mehrere Tage signifikant unterschritten wird. Der persönliche Grundumsatz ist von der vorhandenen Muskelmasse geprägt. Während beispielsweise ein Mann mit 80 kg Magermasse einen Grundumsatz von etwa 2100 Kalorien hat, liegt dieser für eine Frau mit einer Magermasse von 45kg, lediglich bei etwa 1300 Kalorien. Weiterhin spielen bei einem Kaloriendefizit auch immer das persönliche Bewegungsverhalten im Alltag und der vorhandene Körperfettanteil (KFA) eine Rolle. Die Magermasse definiert sich als das Körpergewicht abzüglich des Körperfettanteils. Menschen mit hohen Körperfettanteilen können generell mit höheren Kaloriendefiziten abnehmen weil ihr Körper das überschüssige Körperfett leichter zur Energiegewinnung abbaut. Bei niedrigen Körperfettanteilen sieht dies schon wieder ganz anders aus. Pauschalisierte Aussagen zum Hungerstoffwechsel sind somit nicht möglich weil viele individuelle Komponenten hier mit hineinspielen.

Selbstverständlich induziert ein komplettes Fasten über einen längeren Zeitraum einen Hungerstoffwechsel. Andererseits können mit zyklischen Diätformen, welche hohe Kaloriendefizite mit Refeedtagen zur Stoffwechselnormalisierung verbinden, tolle Ergebnisse in der Körperfettreduktion erzielt werden. Hier sollte man die Kirche buchstäblich im Dorf lassen und diese Problematik nicht verallgemeinern. Ein erfolgreiches Abnehmen sollte immer individuell gestaltet werden und auf den vorhandenen Körperbasisdaten aufbauen. Befristet können in Relation zur vorhandenen Muskelmasse und dem Körperfettanteil auch mit sehr niedrigen Kalorienzufuhren unterhalb des Grundumsatzes tolle Ergebnisse im Abbau von Körperfett ohne Muskelverlust, Jojo Effekt sowie Hungerstoffwechsel erzielt werden. Voraussetzung sind regelmäßige Refeedtage und ein hoher Eiweißanteil in der Ernährung in Verbindung mit einem geeigneten Sportprogramm zum Muskelerhalt. Hier zählt letztendlich das Knowhow und die individuelle Umsetzung. Pauschalisierte Aussagen helfen in diesem Zusammenhang definitiv nicht weiter.