The Biggest Loser 2015

the biggest loser 2015

The Biggest Loser 2015-die kommerzielle Vermarktung von Abnehmillusionen

Nachdem ich die erste Folge von „The Biggest Loser 2015“ im Fernsehen gesehen habe, greife ich das Thema zum zweiten Mal in meinem Blog auf. Die, dem breiten Fernsehpublikum, in „The Biggest Loser 2015“, vermittelten Informationen bedürfen einer weiteren kritischen Betrachtung und Erläuterung. Insbesondere die Zusammenhänge zwischen Sport und Abnehmerfolg sind in der gezeigten Form nicht haltbar. Vorweg ein paar wissenschaftlich fundierte Basisinformationen zur erfolgreichen Körperfettreduktion:



Generic 4

1. Ein erfolgreiches Abnehmen definiert sich als Verlust von Körperfett bei erhaltener Muskulatur, nicht als geringeres Gewicht auf der Waage
2. Die Waage zeigt nur den reinen Gewichtsverlust an, nicht woraus er sich zusammen setzt
3. Ein Verlust von Körperwasser, ein entleerter Magen- und Darmtrakt sowie ein Muskelverlust können Gründe für einen Gewichtsverlust auf der Waage sein, ohne dass an Körperfett abgenommen wurde
4. Ein Körperfettverlust von einem Kilogramm setzt eine negative Energiebilanz von 7.000 Kalorien auf den persönlichen Bedarf (Erhaltungskalorienbedarf) voraus
5. Sport erfüllt in der Körperfettreduktion lediglich zwei Aufgaben:
Ein Ausdauertraining erhöht den Bedarf an Energie bzw Kalorien
Ein Krafttraining, in einer bestimmten Intensität, setzt den wichtigen Reiz zum Muskelerhalt und erhöht den Bedarf an Energie bzw das Kalorienminus in einer Diät
6. In der Körperfettreduktion hat ein Krafttraining absolute Priorität vor einem Ausdauertraining
7. Ein Muskelverlust führt zu einem geringeren Bedarf an Kalorien und begünstigt dadurch den Jojo Effekt
8. Die Muskulatur ist das Stützorgan des passiven Bewegungsapparats und das Organ, welches die meisten Kalorien verbrennt
9. Der größte Hebel zum Abnehmen liegt in der Ernährung
10. Ein Kaloriendefizit ist ein Erholungsdefizit
11. Ein überzogenes Sportprogramm bei kalorienreduzierter Ernährung führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Cortisol) und nicht selten zum Abbruch einer Diät
12. Eine Körperfettreduktion hat in erster Linie etwas mit der Energiebilanz des Körpers zu tun

Die in „The Biggest Loser 2015“ gezeigte Trainingsplanung und Durchführung der Körperfettreduktion ist absolut übertrieben, gesundheitsgefährdend und wissenschaftlich unhaltbar.

Während das Frauenteam, nach jahrelanger Sportabstinenz, einen Military Parcour absolvieren muss, setzt das Männerteam auf Kampfsport- bzw Boxtraining. Übergewichtige Menschen, die lange keinen Sport betrieben haben, sollten behutsam wieder an die körperliche Betätigung herangeführt werden. Ein zielorientiertes Krafttraining zum Muskelerhalt, an maximal zwei Tagen in der Woche realisiert, in Abstimmung mit einer angepassten Ernährung, für diese Personengruppe optimale Ergebnisse. Weiterhin sollte, zur Verletzungsprophylaxe, den Sehnen, Bändern und Gelenken die Möglichkeit gegeben werden, sich nach und nach wieder an die ungewohnten Belastungen zu gewöhnen. Ein behutsamer Einstieg in das Training ist somit Pflicht. Erst nachdem die Sehnen, Bänder und Gelenke sich angepasst haben bieten sich, für motivierte Personen, zusätzliche leichte Ausdauereinheiten, ergänzend zum Krafttraining an. Eine erfolgreiche Körperfettreduktion bedingt ein individuell abgestimmtes Vorgehen in Ernährung und Training.

Werfen wir einen Blick auf das Vorgehen bei „The Biggest Loser 2015“:
Die Frauen absolvieren, ohne ein vorheriges Aufwärmen, eine Trainingseinheit am Limit, bei der sich eine Teilnehmerin auch prompt verletzt. Mit dieser Trainingsplanung und Umsetzung disqualifiziert sich der verantwortliche Trainer in seiner Fachkompetenz.

Hier nützt es auch nichts, wenn die Schuld dann in der Sportabstinenz der Kandidatin gesucht wird. Zusätzlich dürfen die Teilnehmerinnen dann auch noch einen Lkw Reifen umstürzen. Dieser sogenannte Wheelflip wird auch in Strongmanwettbewerben von den professionellen Teilnehmern ausgeführt. Der Wheelflip stellt eine exorbitante Belastung für den unteren Rücken dar und birgt die Gefahr eines Abrisses der Bizepssehne. Die Übung ist selbst bei professionellen Strongman aufgrund der hohen Verletzungsgefahr, durch das tiefe Greifen und die unnatürliche Körperhaltung, gefürchtet. Bei „The Biggest Loser 2015“ dürfen untrainierte Frauen ohne ein vorheriges übungsspezifisches Aufwärmen und eine Unterweisung in die richtige Technik diese Übung am Limit ausführen, um ihr Körperfett zu reduzieren. Unter dem Motto „Wheelflips statt Erdnussflips“ wird quotenwirksam leichtfertig die Gesundheit der Teilnehmerinnen aufs Spiel gesetzt. Zusätzlich flippt dabei auch noch der Trainer aus. So sieht also massenmediale Abnehmperformance für Frauen aus.

Werfen wie einen Blick auf die Männer:
Hier wird buchstäblich bis zum Erbrechen in den Sandsack gehauen. Das düngt quotenwirksam die Palme und macht Gewicht für das wöchentliche Wiegen. Welche Vorteile ein solches Vorgehen in der erfolgreichen Körperfettreduktion bewirken soll, bleibt bei „The Biggest Loser 2015“ erstmal ungeklärt. Den Höhepunkt der Abnehmperformance stellt dann, wie immer, das wöchentliche Wiegen dar. Während die Frauen im Schnitt etwa 4kg weniger wiegen, wiegen die Männer etwa 9kg weniger. Welch ein Erfolg, der selbstverständlich durch das zielorientierte Training bewirkt wurde. Komischerweise hat die verletzte Teilnehmerin fast genauso viel Gewicht, wie die anderen Frauen, auch ohne Sport verloren. Welche Performance, wäre da laut Aussagen des Trainers, nur möglich gewesen wenn sie sich nicht verletzt hätte? Die Antwort lautet: Gar keine!

Böse Zungen behaupten, dass das angezeigte Gewicht auf der Waage bei „The Biggest Loser 2015“ eine Mogelpackung von Wasserverlust, entleertem Magen- und Darmtrakt, Muskelverlust sowie nur geringem Abbau von Körperfett darstellt. Der maximale, ohne Muskelverlust zu realisierende Körperfettverlust, liegt bei etwa 1kg in der Woche bei Frauen. Männer können aufgrund ihrer größeren Muskelmasse und dem daraus resultierendem höherem Kalorienbedarf, eine maximale Körperfettreduktion von etwa 2kg in der Woche, ohne einen Muskelverlust realisieren. Hieraus resultiert auch die höhere Gewichtsabnahme auf der Waage.
Auch wenn die Fernsehmacher mit „The Biggest Loser 2015“ der breiten Masse suggerieren wollen, dass ein höherer Fettabbau mit einem überzogenen Sportprogramm möglich ist, so bleibt doch die Tatsache, dass ein Kilogramm Körperfett einen Brennwert von 7.000 Kalorien hat. Sporteinheiten, die maximal 500 Kalorien in der Stunde zusätzlich verbrennen, werden folglich wohl kaum ein wöchentliches Kalorienminus von 28.ooo Kalorien (Brennwert für 4kg Körperfett) bei Frauen bzw. 63.000 Kalorien (Brennwert für 9kg Körperfett) bei Männern bewirken.

Personen, die ihr Körperfett nachhaltig reduzieren wollen, sollten die vermittelten Mythen bei „The Biggest Loser 2015“ gänzlich ausblenden und fundierte Unterstützung beim zielorientierten Abnehmen in Anspruch zu nehmen. Das massenmediale Niveau und die vermittelten Informationen sind mittlerweile leider auf einem bedenklichen Level angelangt.

Wissenschaftlicher Background für diesen Blogbeitrag:

Hier Klicken:

www.dr-moosburger.at/pub/pub109.pdf

Hier Klicken:

www.dr-moosburger.at/pub/pub056.pdf