The Biggest Loser

The Biggest Loser

Anfang 2014 wird die 6. Staffel von „The Biggest Loser“ auf Sat1 im Fernsehen gestartet. Die Dreharbeiten in Andalusien haben bereits begonnen. Grund genug den massenmedialen Zirkus um das Thema Diät und Abnehmen sowie die vermittelten Informationen kritisch zu hinterfragen.


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Folgende Kritikpunkte sind anzusprechen:

1. Körperbasisdaten

The Biggest Loser 

Vor dem Beginn einer Diät sind die Körperbasisdaten zu bestimmen. Körperfettanteil, Magermasse und der Fettfreie-Masse-Index sind zu ermitteln und während der Diät permanent zur Erfolgskontrolle zu kontrollieren. Bei „The Biggest Loser wird lediglich das Körpergewicht ermittelt und dient als Anhaltspunkt zur Erfolgskontrolle. Wie beim Body-Mass-Index (BMI) wird jeder Gewichtsverlust als Erfolg gewertet. Das ist totaler Unsinn, womit der zweite Kritikpunkt ins Spiel kommt.

2. Ein Gewichtsverlust ist nicht ein Körperfettverlust

Die Waage zeigt immer nur den reinen Gewichtsverlust in einer Diät an, aber nicht woraus er sich zusammen setzt. Insbesondere Schwankungen im Wasserhaushalt, der Darminhalt und ein Muskelverlust können Gründe für einen Gewichtsverlust auf der Waage sein, ohne das an Körperfett abgenommen wurde. Eine optische Verbesserung setzt aber immer einen Fettverlust bei erhaltener Muskelmasse voraus. Ein erfolgreiches Abnehmen definiert sich als Verlust an Körperfett bei erhaltener Muskelmasse, nicht als geringeres Gewicht auf der Waage.

3. Maximal möglicher Körperfettverlust 

Um ein Kilogramm an Körperfett zu verlieren muß ein Kalorienminus von 7.000 Kalorien auf den persönlichen Bedarf hergestellt werden. Dies ist der Grund warum selbst wissenschaftlich fundierte Crashdiäten lediglich einen wöchentlichen Fettverlust von etwa 2kg bei Männern und etwa 1kg bei Frauen bei erhaltener Muskulatur erzielen. Die bei „The Biggest Loser“ beim wöchentlichen Wiegen präsentierte Wundertüte von 5kg und mehr Gewichtsverlust in kürzester Zeit ist somit eine Mogelpackung aus Darminhalt, Wasserverlust sowie Muskelabbau. Es handelt sich hierbei nicht um einen reinen Verlust an Körperfett. Ein hoher Gewichtsverlust ist somit auch kein Grund zum Jubeln weil garantiert auch Muskulatur abgebaut wurde. Hierbei sollte man bedenken, daß die Muskulatur den Bewegungsapparat stützt und das größte Organ ist, welches Glukose aufnimmt und Fett verbrennt. Den Muskelverlust zu vermeiden hat in einer Diät somit äußerste Priorität. Bei „The Biggest Loser“ wird dies gänzlich ignoriert.

4. Sport in der Diät 

 

Ein Krafttraining hat in einer Diät einen weit höheren Stellenwert als ein Ausdauertraining. Ein Krafttraining setzt den nötigen Reiz zum Muskelerhalt in einer Diät und erhöht den Kalorienbedarf. Ein Ausdauertraining erhöht lediglich den Kalorienbedarf und setzt keinen Reiz zum Muskelerhalt. Das Sportprogramm in einer Diät ist individuell auf den Trainingsstand und das Kaloriendefizit anzupassen. Der entscheidende Punkt beim Abnehmen ist das Kaloriendefizit und nicht das Sportprogramm. Die Ernährung stellt den größeren Hebel in der Reduktion von Körperfett dar. Bei „The Biggest Loser“ wird ein überzogenes Sportprogramm als Erfolgskomponente vermarktet.

5. Ein Kaloriendefizit ist ein Erholungsdefizit

Ein zu intensives Training bei kalorienreduzierter Ernährung führt insbesondere bei Trainingseinsteigern zu einem Abbruch der Diät. Der Grund hierfür ist die Streßkomponente und das Ansteigen des Spiegels des körpereigenen Streßhormons Cortisol. Bei „The Biggest Loser“ führt dies zu Streitereien zwischen den Teilnehmern, welche sich prima massenmedial vermarkten lassen. Mit einem zielorientierten Abnehmen hat dies nichts zu tun. Ein übermäßiger Anstieg von Streßhormonen in einer Diät ist generell zu vermeiden. Das Streßmanagement ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in jeder Diät.

6. Soziale Komponente und der Wundertrainer

Übergewichtige Menschen haben in der Gesellschaft bereits mit vielen Vorurteilen und Ausgrenzungen zu kämpfen. Bei „The Biggest Loser“ werden sie abermals auf ihr Übergewicht reduziert. Zusätzlich dürfen sie massenmedial vor einem Millionenpublikum gegeneinander für ein besseres Leben kämpfen. Ihr Leben und die Zukunft liegt in den Händen der imageträchtigen Wundertrainer zum Abnehmen, die ihnen den richtigen Weg zeigen. Ein Abnehmen ist lediglich die konsequente Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und nicht die Abhängigkeit von einem Trainer. Diese massenmediale Darstellung ermöglicht es wiederum etlichen Gruppen kommerzielle Interessen zu verwirklichen. Übergewichtige Menschen sollen für den Drill durch Trainer sowie Bootcamps zum Abnehmen begeistert werden und dafür zahlen.

7. Fazit 

Anstatt massenmedial Basiswissen in Diät, Ernährung und Sport zu vermitteln, werden quotenwirksam gängige Mythen in einem neuen Gewand vermarket. Die Zeit vor dem Fernseher beim Schauen von „The Biggest Loser“ sollte besser in einen abendlichen Spaziergang oder einen Besuch des Fitnessstudios investiert werden. Der Hundekuchen wird nie das Bellen lernen und das Fernsehen anscheinend auch nie Informationen zum erfolgreichen Abnehmen vermitteln. Wer ernsthaft plant sein Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren, sollte fundierte Hilfe in Anspruch nehmen und massenmediale Informationen weitgehend ausblenden. Eine Diät sollte in den eigenen Alltag und zum eigenen Körperfettanteil passen. Eine erfolgreiches Abnehmen ist individuell in Ernährung und Sport umzusetzen.

Wissenschaftlicher Hintergrund des Blogbeitrags:

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